Krähen

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Informationen zu Saatkrähen und dem Umgang mit ihnen bereitstellen.

  • Die Saatkrähe gehört wie alle Raben- und Krähenarten zur Gattung der Rabenvögel.

    In Süddeutschland treten vor allem die Saatkrähe und schwarze Aaskrähe, auch Rabenkrähe genannt, auf. Weitere bekannte Vertreter sind der Kolkrabe, die Elster und die Dohle.

    Die erwachsene Saatkrähe lässt sich durch den unbefiederten, weißlichen Schnabelgrund von der Rabenkrähe unterscheiden. Bei der Rabenkrähe ist dieser befiedert. Jungtiere verlieren die Befiederung an der Schnabelwurzel erst nach und nach.

    Rabenvögel sind Allesfresser, wobei bei der Saatkrähe pflanzliche Bestandteile mehr als die Hälfte der Ernährung ausmachen. So stehen u.a. Insekten, Schnecken, Kleinsäuger, Aas, zufällig gefundene Eier und Jungtiere von Bodenbrütern, aber auch Samen, Keimlinge, Hülsen- und Beerenfrüchte sowie Obst auf dem Speiseplan. Dass Singvogelbestände durch (Saat)Krähenpopulationen merklich vermindert werden, konnte durch Studien widerlegt werden. Tatsächlich stellt das ökologische Verarmen der Gärten eine viel größere Gefahr für die Singvögel dar, da sie weder Nahrung noch Verstecke finden.

    Saatkrähenkolonien besitzen eine „natürliche Maximalgröße“, bedingt durch die Anzahl der Brutplätze und das Nahrungsangebot, über die hinaus sie sich nicht weiter vermehren. Kommt es jedoch zur Zersplitterung, kann jede Kolonie erneut bis zu ihrem Limit wachsen. In Folge kann es zu einer Vervielfachung der Gesamtzahl kommen.

  • Die Saatkrähe wurde als vermeintlicher Landwirtschaftsschädling (tatsächlich sind sie eher von Nutzen, da sie Schadinsekten und Mäuse fressen) intensiv bejagt; in Bayern waren 1955 nur noch rund 600 von ehemals ca. 19.000 Brutpaaren vorhanden. Mit der Unterschutzstellung 1977 nahm der Bestand langsam wieder zu und liegt bei 14.284 Brutpaaren in ganz Bayern (Stand 2020).

    In Folge der Bejagung einerseits und dem Wandel zu strukturarmen Agrarlandschaften andererseits haben die Krähen immer mehr begonnen, sich auch in Städten niederzulassen. Hier sind sie ausreichend geschützt und kommen mühelos an Futter. Gleichzeitig haben sie gelernt, dass grundsätzlich keine erhöhte Gefahr von Menschen für sie ausgeht, weshalb eine Näherung bis auf unter einen Meter möglich ist.

    • …dass Krähen später im Leben auf der Baumart nisten, auf der sie geboren wurden?
    • ...dass Rabenvögel zu den Singvögeln gehören?

    Kaum zu glauben, aber wahr: Krähen fallen unter die Singvögel, auch wenn es im ersten Moment nicht so klingen mag. Wer den „Gesang“ jedoch sofort als Lärm abstempeln möchte, sollte daran denken, dass auch beim Menschen die Unterscheidung von Lärm und Gesang nicht immer ganz einfach ist…

    • …dass Krähenlärm deutlich leiser als der normale Straßenlärm ist?

    In einer Untersuchung konnte nachgewiesen werden, dass Krähen (64 dB) leiser als Durchfahrtsverkehr (69 dB) sind. Dass es mehr Beschwerden über sie gibt, wird unter anderem auch damit begründet, dass man am verkehrsbedingten Lärm kaum etwas ändern kann. Auch ist der Gewöhnungseffekt an Straßenlärm höher, während Krähen vor allem in der Brutzeit laut sind.

    • …dass Rabenvögel sehr intelligent sind?

    Sie können zählen, Werkzeuge herstellen, logische Schlussfolgerungen ziehen und besitzen ein gutes Personengedächtnis. Darüber hinaus sind sie sehr verspielt.

  • Als heimische Vögel genießen alle Rabenvögel grundsätzlich einen besonderen Schutz. Sie unterliegen sowohl der EU-Vogelschutzrichtlinie als auch dem Bundesnaturschutzgesetz. Während Aaskrähen nach dem Bundesjagdgesetz bejagt werden dürfen, gilt dies jedoch nicht für die Saatkrähe.

    Übrigens sind nicht nur die Tiere selbst, sondern auch ihre Nistplätze geschützt. Und das sogar unabhängig davon, ob sie aktuell genutzt werden oder nicht.

    Ausnahmen hiervon können nur im Einzelfall nach strenger Prüfung von der Höheren Naturschutzbehörde - bei uns der Regierung von Oberbayern - erteilt werden.

    Während der Brutzeit (ca. Mitte März bis Mitte Juni) sind grundsätzlich keine störenden Maßnahmen erlaubt.

  • Ungefähr seit 2010 hat sich die Saatkrähe im Raum Rosenheim niedergelassen. Seitdem hat sich die Zahl der Brutpaare von 45 auf 420 erhöht. Die beiden größten Kolonien befinden sich entlang der Mangfall und des Mangfallkanals, sowie an der Loretowiese. 2020 kamen kleinere Splitterkolonien im Rosenheimer Norden im Bereich Schiller-/Goethe-/Burgfeldstraße hinzu.

  • Wichtig: jede Maßnahme, die ohne Genehmigung der höheren Naturschutzbehörde durchgeführt wird, stellt eine Straftat nach §§ 69, 71 Bundesnaturschutzgesetz dar und wird verfolgt.

    Toleranz gegenüber Krähen

    Die wahrscheinlich effektivste und auch für die Tiere schonendste Maßnahme ist: mehr Toleranz. Für Betroffene im ersten Moment womöglich schwer zu akzeptieren, verdient der Vorschlag genauere Betrachtung. Wie bereits dargestellt, handelt es sich nach wie vor um eine geschützte und bundesweit eher seltene Vogelart. Dass sie gehäuft in Rosenheim auftritt, sollte als Chance, beispielsweise für Beobachtungen mit Kindern, betrachtet werden. Wo nötig, werden auch weiterhin punktuelle Maßnahmen seitens der Stadt geprüft werden. Eine deutliche Reduzierung der Tiere wird nicht möglich sein. Mit den oft gewünschten Vergrämungsmaßnahmen besteht immer die Gefahr, dass zwar kurzfristig weniger Tiere an einem Ort sind, langfristig jedoch immer neue Stadtgebiete neu besiedelt und auch alte Nistplätze reaktiviert werden. Darüber hinaus sollte verstärkt auf Umweltbildungsmaßnahmen gesetzt werden, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.

    Entfernen der Nester / Brutstätten

    Durch das Entfernen von Nestern oder der Entnahme von Ästen während der Abwesenheit der Vögel kann versucht werden, eine erneute Niederlassung am alten Standort zu verhindern. Dies verhindert jedoch nicht den Neubau der Nester. Schlimmstenfalls führt dies jedoch zu einer Zersplitterung bestehender Kolonien, die sich auf weitere Gebiete ausbreiten und in der Population zunehmen.

    Vergrämung durch Schall

    In unregelmäßigen Abständen werden laute Geräusche, Rufe von Greifvögeln oder Warnrufe von Krähen abgespielt oder von vorbeigehenden Bürgern erzeugt. Hierdurch soll erreicht werden, dass die Krähen den Standort als unattraktiv für eine Ansiedelung empfinden. Bestenfalls lassen sie sich in konfliktärmere Gebiete lenken. Die Erfahrungen anderer Kommunen zeigen allerdings, dass diese Maßnahmen über Jahre hinweg eingesetzt werden müssen, kaum nutzen und schlimmstenfalls auch hier die Zersplitterung von Kolonien die Folge ist. Vor allem lernen die Krähen schnell, dass von den Geräuschen keine Gefahr ausgeht bzw. keine Krähe für die Warnlaute verantwortlich ist. Darüber hinaus müssen Anwohner bei dieser Maßnahme einen gewissen Lärm hinnehmen.

    Vergrämung durch Greifvögel

    Durch den gezielten Einsatz von Raubvögeln durch Falkner sollen die Attraktivität der Ruhe- und Nistplätze verringert werden und die Vögel zur Umsiedelung in ruhigere und ungefährlichere Gebiete bewogen werden. Es können einzelne Krähen geschlagen werden, um den Effekt zu vergrößern. Es gibt Berichte von Falknern, dass diese von den Krähen erkannt werden (anhand von Kleidung, Stimme, Aussehen, sogar das Auto für die Anfahrt), wodurch die Maßnahme nach kürzester Zeit wirkungslos wird. Die Tiere verstehen den Zusammenhang von Falkner und dem Auftreten des Greifvogels und folglich auch, dass keine Gefahr mehr droht, sobald der Falkner wieder weg ist. Auch hier muss erneut mit Splitterkolonien gerechnet werden.

    Abschuss / Bejagung

    Der gezielte Abschuss von Tieren verringert einerseits die Zahl der Tiere, gleichzeitig wird der aktuelle Brut- und Nistort auf Grund der Gefahr unattraktiv für die Tiere. Der Abschuss ist auf die Aaskrähe beschränkt, die Saatkrähe ist vor Abschuss geschützt. In Rosenheim ist vor allem die Saatkrähe angesiedelt, was einen Abschuss verbietet. Darüber hinaus darf innerhalb bewohnter Gebiete grundsätzlich keine Jagdtätigkeit erfolgen.

    • 2019: Aufgrund des Eschentriebsterbens mussten umfangreiche Hiebmaßnahmen im Wald entlang der Mangfall durchgeführt werden. Hierbei wurden mehrere Brutbäume gefällt. In der Folge zersplitterte die Kolonie und es kam zu vermehrter Neuansiedlung in Oberwöhr. Darüber hinaus verlagerten sich die Brutstätten näher an die Besiedlungsgrenze.
    • 2020: Erstmalig wurden Birdgards zur akustischen Vergrämung im Bereich Loretowiese eingesetzt. In Folge verringerte sich die Anzahl der Brutpaare von 164 auf 63. Gleichzeitig sind bestehende Kolonien wahrscheinlich im Rahmen der Maßnahmen zersplittert und wichen in Richtung Inn, Stephanskirchen und in den Norden der Stadt aus, wo sich die Anzahl der Brutpaare von 27 auf 80 erhöhte.
    • 2021: Es wurden erneut Vergrämungsmaßnahmen mittels BirdGard durchgeführt. Diese konzentrierten sich wie im Vorjahr auf des Landschaftsschutzgebiet Mangfall sowie erstmals auf den Rosenheimer Norden.
  • Die Ergebnisse der Saatkrähenzählung 2021 durch die LBV-Kreisgruppe Rosenheim sowie die Studienergebnisse des Landtagsprojektes wurden dem Umweltausschuss am 21.07.2021 vorgestellt. Die Ergebnisse des LBV können Sie hier abrufen. Da sich die Vergrämungsmaßnahmen als wirkungslos und teilweise sogar kontraproduktiv (aufgrund der Bildung neuer Splitterkolonien) erwiesen haben, wurde einstimmig beschlossen, für das Folgejahr keine neue Ausnahmegenehmigung für Vergrämungsmaßnahmen zu stellen.

  • Der bayerische Landtag hat die Erarbeitung eines Konzepts zum Saatkrähenmanagement in Auftrag gegeben. Der erste Zwischenbericht wurde im Jahr 2021 veröffentlicht. Kurz zusammengefasst zeigt sich im kommunalen Bereich, dass Vergrämungsmaßnahmen die Kolonien zersplittern und  Konflikte zwischen Mensch und Tier nur umverteilen. Tatsächlich erscheint es am aussichtsreichsten, sich mit den Kolonien zu arrangieren und keine Eingriffe in bestehende Kolonien vorzunehmen. (vgl. hierzu S. 34 ff.)

    Mittlerweile wurde auch der zweite Zwischenbericht veröffentlicht.