Booklet Bürgerversammlungen 2024

8 2. Wirtschafts-, arbeitsmarkt- und finanzpolitische Situation und Perspektiven Einer aktuellen Diagnose des Münchener ifo-Instituts zufolge befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer tiefen Strukturkrise. Das wirtschaftliche Wachstum ist aufgrund einer allgemeinen Verunsicherung der privaten Verbraucher, einer schwachen Industrieproduktion und globaler Unsicherheiten gehemmt. Steigende Energiekosten und hohe Inflationsraten führen zu Kaufkraftverlusten, während strukturelle Herausforderungen wie der Fachkräftemangel und der bevorstehende Ruhestandseintritt der Baby Boomer-Generation, aber auch ein anhaltender Abzug ausländischer Direktinvestitionen aus Deutschland – Stichwort Deindustrialisierung – die wirtschaftliche Erholung zusätzlich erschweren. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge werden in den nächsten 15 Jahren etwa 13 Millionen Menschen in den Ruhestand treten, was fast ein Drittel der derzeitigen Arbeitskräfte ausmacht. Dieser erhebliche Verlust an Fachkräften wird nicht nur einen spürbaren Wissens- und Erfahrungsschwund zur Folge haben, sondern auch negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum und den allgemeinen Wohlstand der Bevölkerung nach sich ziehen. Die geburtenschwächeren Folgejahrgänge können diese Lücke nur bedingt füllen. Die deutsche Wirtschaftspolitik hat auf diese Herausforderungen inzwischen mit dem sog. Wachstumschancengesetz allerdings im Umfang von nur rd. 3 Mrd. EUR reagiert. Das schwache wirtschaftliche Umfeld spiegelt sich auch bei den Rosenheimer Unternehmen wider. Die gesunkene Industrieproduktion und die zurückhaltende Investitionstätigkeit treffen speziell das Verarbeitende Gewerbe, während der Fachkräftemangel u. a. in Schlüsselbranchen wie dem Handwerk und der IT spürbar ist. Dagegen weist der Städte- und Geschäftstourismus in der Stadt Rosenheim eine positive Entwicklung auf, die das wirtschaftliche Gesamtbild stabilisiert. Im Jahr 2023 besuchten fast 200.000 Gäste die Stadt, was einem Anstieg um etwa 21 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch die Zahl der Übernachtungen stieg auf rund 322.000 (+ 16 %), was den positiven Trend bestätigt. Dank der in den vergangenen Jahren neu entstandenen Hotelkapazitäten stehen inzwischen rd. 1.800 Betten zur Verfügung. Allein in den letzten Jahren sind 550 zusätzliche Betten entstanden. Die Kapazitätsauslastung im Hotelgewerbe erreichte nach neuesten Daten im Juni 2024 einen Wert von 59 % und liegt deutlich über dem oberbayerischen und bayerischen Durchschnitt. Dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld kann sich auch der regionale Arbeitsmarkt nicht entziehen, wenngleich der Bezirk Rosenheim der Arbeitsagentur bundesweit zu den besten regionalen Arbeitsmärkten zählt. Die Arbeitslosenquote ist zum Stichtag 30.06.2024 auf 4,7 % angestiegen. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich auf 1.690 Personen. Zudem hinterlässt der Fachkräftemangel auch in Rosenheim Spuren. Der Rosenheimer Gewerbeimmobilienmarkt bleibt weiter dynamisch. Im Innenstadtbereich fällt auf, dass es laufend zu Neuvermietungen leerstehender Erdgeschossflächen kommt. Umnutzungen von ehemals als Läden genutzter Objekte beispielsweise in Gastronomiebetriebe zeigen die Veränderungsdynamik der innerstädtischen Wirtschaft. Im April 2024 wurde zudem beim Rosenheimer CityManagement e.V. ein Flächenmanagement eingerichtet, um die Transformation der Innenstadt proaktiv zu begleiten. Wirtschafts-, arbeitsmarkt- und finanzpolitische Situation und Perspektiven Foto: iStock.com/Avalon Studio

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